Räumungsbedrohte Projekte verteidigen!

Erneut sind emanzipatorische Projekte in Berlin und Hamburg akut räumungsbedroht. In Hamburg handelt es sich um den Wagenplatz „Zomia“, dessen Bewohner_innen am 18.10.11 einen Räumungsbescheid erhielten und somit jederzeit geräumt werden können. In Berlin ist die Lage des selbstverwalteten Werkstattprojekts „Linienhof“ prekär, seitdem das Gelände 2007 von städtischer Hand in Private überging. Der neue Besitzer, die KLES GmbH, will die Werkstätten nun abreissen lassen, um Eigentumswohnungen zu bauen.

Diese beiden Beispiele unsozialer Stadtpolitik lassen sich in den Kontext der Gentrifizierung stellen, ein Begriff der die Verdrängung sogenannter „sozial schwacher“ Menschen aus der Innenstadt von Städten beschreibt. Die Stadtentwicklung ist somit gerade in Berlin und Hamburg, wo dieser Prozess seit Jahren greift, absolut frag- und kritikwürdig.
Während in Hamburg ein massiver Mangel an bezahlbarem Wohnraum besteht, stehen gleichzeitig tausende Quadratmeter Büroflächen leer. Immer mehr Flächen und städtisches Eigentum in Immobilienform wird privatisiert – was zu kontinuierlich steigenden Mieten, Leerstand sowie Spekulation führt.
Mittlerweile kann man festhalten, dass diese Entwicklungen absolut gewollt sind und von stadtpolitischer Seite gefördert werden. Erst kürzlich geriet der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte Markus Schreiber (SPD) in immense überregionale Kritik, da er einen eine Fläche unter einer Brücke mit einem Metallzaun absperren lies, da auf dieser Obdachlose campierten. Resultierend aus rasch entflammten Protesten wurde der Zaun nach einer Woche wieder entfernt.
Eben dieser Markus Schreiber ist es jetzt, der das Räumungsvorhaben gegen den Wagenplatz Zomia vorrantreibt. Die Bewohner_innen des Wagenplatzes, hatten nach unzähligen Räumungen an verschiedenen Plätzen, im Dezember 2010 einen ungenutzten Platz in dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg besetzt und eine temporäre Duldung erreicht.
Nun erhielten die Besetzer_innen erneut einen Räumungsbescheid, welcher in nächster Zeit durchgesetzt werden soll. In Diskussionen mit Schreiber erklärte dieser übrigens in alter „Schill-Manier“ seine Motivation: Gegen Wagenplätze stehen in Hamburg einfach „eine Haltung, man habe ja schließlich Bambule (Anmerkung: Ein Wagenplatz, der 2002 unter erheblichen Ausseinandersetzungen geräumt wurde) auch schon geräumt!“. Na dann…

Die mit dem Beispiel Hamburg ansatzweise erläuterten Vorgänge sind recht einheitlich auf Berlin und viele andere Städte übertragbar. Der Prozess der Gentrifizierung ist die natürliche und von Wirtschaft und Politik gewollte Konsequenz der kapitalistischen Standort – und Verwertungslogik.

Wir fordern hingegen eine „Stadt für alle!“ und solidarisieren uns mit den Bewohner_innen und Nutzer_innen des Wagenplatzes Zomia und des Linienhofs!

Weitere Informationen gibt es hier:

Indymedia
Zomia Blog

Linienhof Blog