Eckpunkte Lenkungsausschuss

Vorschlag der NutzerInnen des Infoladens

Der Lenkungsausschuss möge folgendes beschließen:

1) Politik

a) Der Infoladen soll in seiner jetzigen Form erhalten bleiben und von den NutzerInnen des Infoladens selbst verwaltet werden. Deshalb soll dem Nutzerplenum ein Schlüssel zum Infoladen ausgehändigt werden.

Außerdem muss der Zugang zur Halle 2 geschlossen werden, um ein ungestörtes Arbeiten im Infoladen zu ermöglichen.

Mitarbeit bzw. Einbringung von neuen bzw. externen Gruppen ist erwünscht, muss aber im Plenum der Infoladen-NutzerInnen besprochen und abgesegnet werden.

Partei-/ oder Regierungsorganisationen haben generell keinen Zutritt zum Infoladen.

Außerdem muss dieser Raum frei von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie bleiben.
Im Zweifelsfall entscheidet hier das NutzerInnenplenum.

b) Im Jugendzentrum Schlachthof können von den NutzerInnen politische Veranstaltungen durchgeführt werden, wenn diese nicht von Parteien oder Regierungsorganisationen veranstaltet werden, und frei von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus sind.

c) Themenspezifische Informations- und Diskussionsveranstaltungen können von den NutzerInnen durchgeführt werden, sofern die in b) festgelegten Bedingungen eingehalten werden.

2) Nutzerverträge

a) Für die Nutzung städtischer Räumlichkeiten ist immer ein Nutzervertrag zu schließen. Hierbei ist die Verlängerung der Öffnungszeiten der Halle II fristlos möglich. Bei anderen Räumlichkeiten beträgt die Frist maximal eine Woche.

NutzerInnenverträge können mit können mit Vereinen, sowie Privatpersonen abgeschlossen werden.

b) Die Nutzung der Räumlichkeiten und des Inventars sind auf die im NutzerInnenvertrag individuell festgelegten Zeiten begrenzt.

c) Eventuell auftretende Schäden sind vom Vertragspartner zu begleichen.

d) Die Bands entscheiden gemeinsam, wann welche Band welchen Proberaum benutzt.

3) Innengestaltung und Räumlichkeit

a) Die Räumlichkeiten des Jugendzentrums werden von den NutzerInnen selbstbestimmt gestaltet. Eine Umgestaltung kann je nach Anlass jederzeit stattfinden.

4) Außengestaltung und Gebäude

a) Die Außengestaltung, im Rahmen des Denkmalschutzes, wird von den NutzerInnen selbstbestimmt gestaltet. Eine Neugestaltung ist jederzeit unter Absprache mit den NutzerInnen möglich.

5) Entscheidungswege

a) Alle Entscheidungen, welche das JUZ betreffen, werden von einer NutzerInnen-Vollversammlung beschlossen, diese soll in regelmäßigen Intervallen stattfinden.

Unsere Forderungen

Der Infoladen, der von Jugendlichen für Jugendliche eingerichtet wurde, soll in seiner jetzigen Form erhalten bleiben.

Die Strukturen, die sich dort etabliert haben, sind aus dem Bedürfnis von Jugendlichen entstanden – aus eigenem Antrieb- und stellen den einzigen Raum im Jugendzentrum dar, in dem sich die Nutzer selbst verwirklichen können.

Die letzen Jahre haben bewiesen, dass der Infoladen ein gewachsenes Projekt ist, dem sich immer wieder neue Leute angeschlossen haben. Auch ist zu bemerken, dass die MitgestalterInnen dieses Projektes seit einem langen Zeitraum den Großteil der NutzerInnen des Jugendzentrums stellen und viele Konzerte und Projekte des Jugendzentrums erst ermöglicht haben.

Es geht weniger darum, weiteren potenziellen NutzerInnen das Interesse an politischem Engagement zu nehmen oder diese abzuschrecken, als darum, dass die Entscheidung, ob und wie diese den Infoladen nutzen und mitgestalten wollen, aus der Diskussion mit den momentanen Infoladen-NutzerInnen hervorgehen soll.

Jegliche Einbringung und Unterstützung von externer Seite wird von den NutzerInnen des Infoladens begrüßt.

Grundsätzlich herrscht unter den NutzerInnen des Infoladens Übereinstimmung darüber, dass keine Partei-/ oder Regierungsorganisationen den Infoladen nutzen sollen. Zudem darf der Infoladen keinen Raum für Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder Homophobie bieten.

Es besteht die Forderung, den Infoladen „Daneben“ selber zu verwalten und zu organisieren.
Hierzu gehört ein freier Zugang samt eigenem Schlüssel zu diesem einerseits, sowie andererseits die Schließung der derzeitig bestehenden Verbindung zu Halle 2, welche offensichtlich nicht dem Brandschutz, sondern besserer Einsicht und verstärkter Kontrolle in infoladeninterne Angelegenheiten dient.

Langfristig fordern wir die Selbstverwaltung des Jugendzentrums durch die NutzerInnen.

Konkret bedeutet dies, dass die Verwaltung des Jugendzentrums auf einen Verein, welcher Interessen der Nutzerschaft vertritt, übertagen werden soll. Dieser Verein soll jegliche Entscheidungen bezüglich des Jugendzentrums selbstständig treffen können, so dass auch die Auswahl und Entscheidung über Sozial- und MitarbeiterInnen in dessen Hand liegt.

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Beispiele für die Sanktionierung der selbstständigen Arbeit im Jugendzentrum Schlachthof

    NutzerInnen-Verträge:

Ursprünglich waren die NutzerInnen-Verträge dazu gedacht, auf unbürokratischem Wege die Öffnungszeiten des Jugendzentrums zu erweitern. Diese Möglichkeit wurde oft und vielfältig genutzt. Für die Zeit des Vertrages oblag dann die Aufsicht und Schlüsselgewalt der den Antrag stellenden Person.
Mit verschiedenen fadenscheinigen Grüden wurden dann in den letzten Jahren diese Verträge immer weiter be- bis verhindert.
Einzelpersonen ist diese Möglichkeit mittlerweile versagt, es gibt nur noch den Umweg über einen Verein oder Verband. Dazu kommen weitere Bedingungen, wie z.B. überzogene Kautionen, die für Jugendliche nicht unbedingt einfach zu erfüllen sind.

Wir haben aufgrund dieser aktuellen Situation eine Zusammenarbeit mit dem Förderkreis (des Jugendzentrums) geschaffen, um zumindest nicht ganz den Fuß aus der Tür zu bekommmen. Doch auch die Arbeit dieses Vereines wurde schon untergraben. Besispielsweise:
So wurde ein, an den Förderkreis schon vergebener Nutzungsvertrag für die Halle I von den SozialarbeiterInnen am 30.10.2010 eigenmächtig abgesagt, aufgrund lapidaren „Fehlverhaltens“ einer einzelnen Person.
Erst nach langen Diskussionen zwischen einem offiziellen Vertreter des Fördervereins und den SozialarbeiterInnen wurde uns, als sehr einseitiger und unzulänglicher Kompromiss für die geplante Tanzveranstaltung, dann die Halle II zugesprochen.

    „Elefantenloch“, Umbaumaßnahmen:

Aufgrund fragwürdiger Brandschutz-Argumentation wurde, ohne gültige Absprache mit den NutzerInnen, eine Wand zwischen Infoladen und Halle II durchbrochen. Nicht aber etwa in der Größe einer Tür, sondern eher eines gediegenen Garagentors. Die ursprüngliche Tür bleibt nun 1,5 Jahre verschlossen. Damit wurden die vorgeschobenen Brandschutzargumente zur Farce, der Infoladen als eigenständiger Raum zum Teil demontiert.
Das Arbeiten oder Abhalten von Plena im Infoladen ist nun auch nicht mehr mit der Ruhe möglich, die eigentlich nötig wäre. Auch dieser Umstand wirkt sehr gewollt.

Weiterhin wurde, ohne Notwendigkeit, ein neuer Fußboden in den Infoladen gelegt. Dies wurde kurz angekündigt, dann war der Raum zwei Monate nicht nutzbar.
Das gesammte Inventar des Ladens wurde einfach in eine Ecke irgendwo im Juz geschmissen. Bei dieser Aktion sind auch Sachen verschwunden.
Über die Unterbringung der regelmäßigen Arbeit und Plena hat niemand mit uns gesprochen.

    Law&Order-Politik:

Im Laufe des letzten halben Jahres, veränderte sich das Gesprächsverhalten der SozialarbeiterInnen immer mehr hin zum willkürlich-autoritären. Diskussionen sind mittlerweile sinnlos, nahezu drakonische Strafen werden für Lappalien verhängt. Wir zählen momentan 5 Hausverbote gegen aktive NutzerInnen.

    30 Jahr Feierlichkeiten:

Im Rahmen des Sektempfangs im Septenber 2010 wurden im und ums Juz mehrere Transparente, die zum Teil schon seit mehreren Monaten hingen, abgehangen. Zusätzlich wurden Türen, auf denen politische Sprüche oder Zeichen waren, übergestrichen und auch andere unliebsamme Spuren jugendlichen Lebens über- und umdekoriert.
Im Gegenzug wurden plötzlich die seit Jahren geforderten Mülleimer aufgestellt und der Politprominenz ein 300€-Buffet aufgetischt.
Ein schönes, soweit wie möglich sauberes Juz, ganz nach Geschmack der Stadt, wurde hier präsentiert, als gäbe es uns nicht.

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Neue Kampagne: „Infoladen bleibt!“

Hallo,
wir sind die NutzerInnen des Infoladens im Jugendzentrum Schlachthof.

Fast alle öffentlichen Veranstaltungen des Juzes der letzten Jahre haben wir mitgetragen und viele davon überhaupt erst ermöglicht.

Trotz unseres kontinuierlichen Engagements ist der Umgang der Stadt mit uns eher willkürlich-bestimmend als koorperativ geworden.

Nach einer langen Reihe von verschiedensten Sanktionierungen der selbstständigen Arbeit im Schlachthof, sind wir mittlerweile an dem Punkt einer Law&Order-Politik gegenüber den aktiven NutzerInnen angekommen.

Für uns sind dies deutliche Zeichen, dass Stadt und SozialarbeiterInnen ihr Nutzungskonzept ohne Rücksichtnahme auf die Wünsche und Interessen der BesucherInnen ausrichten.

Auch das neue „Eckpunkte“-Papier, eine Beschlussvorlage des städtischen Lenkungsauschusses, greift Diskussionen mit uns vor und ignoriert quasi die Existenz des Infoladens. Er wird nicht einmal erwähnt.
Wir befürchten, nach unseren bisherigen Erfahrungen, dass hier heimlich unser letzter selbstgestalteter Freiraum demontiert werden soll.

Der Infoladen ist ein unkommerzieller Ort, der sich in einem Netzwerk linker, sozialer Bewegungen verordnet. Gerade in einer Stadt wie Aurich finden wir so einen Ort im Juz wichtig, als lebendige Alterntive, als Möglichkeit soziale Interaktion und Verantwortung eigenständig zu erfahren.

Wir haben sowohl der Stadt als auch den SozialarbeiterInnen immer wieder die Hand gereicht und unsere Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Mittlerweile sehen wir uns aber gezwungen diesen Konflikt öffentlich zu führen, und die Hand ein Stück zurückzuziehen.

Wir wünschen uns ein ernstzunehmendes Signal der Stadt in unsere Richtung. Beispielsweise ein permanent gesichertes Nutzungs- und Gestaltungsrecht des momentanen Infoladens, mit eigenem Schlüssel.

INFOLADEN BLEIBT! Wir lassen uns nicht zerplanen!